Zeitmaschine Rave

Als ich vor etwa vier Jahren anfing, meine Sammlung von Fotos aus der Frühphase von House und Techno in Deutschland zu digitalisieren und via Facebook öffentlich zu machen, wurde mein Profil “Zeitmaschine Rave” schnell zum Selbstläufer. Als Fotograf des Magazins “Frontpage” habe ich die Raveszene der 1990er Jahre begleitet und in Tausenden von Fotos dokumentiert. Das analoge soziale Netzwerk von damals kann man jetzt im digitalen sozialen Netzwerk von Facebook Revue passieren lassen und kommentieren. Wie sah das alles eigentlich aus? Wie sah die oder der aus? Wie sah man selbst aus?

Bilder die bleiben

Solange die Zeitmaschine noch nicht erfunden ist, nehmen wir Platz in der virtuellen Zeitmaschine der Fotografie. Treibstoff dieser Zeitmaschine sind bis dahin persönliche Erinnerungen, individuelle Erlebnisse und kollektive Erfahrungen. Die Fotografie dient als Katalysator, diesen Geschichten wieder zu einem Bild zu verhelfen oder vergangene Bilder neu heraufzubeschwören. Meine Fotografien dokumentieren, informieren, übermitteln Botschaften – interpretieren muss sie jeder für sich. Denn ein Foto ist auch immer Dokumentation eines Dialogs zwischen dem Fotograf und dem Objekt vor seinem Objektiv.

Seeing is Believing

Fotografien sagen mehr als tausend Worte, sie erzählen Geschichten. Es müssen nicht immer die gleichen Geschichten sein, die vor dem inneren Auge der Betrachter ablaufen. Doch der Dialog der Aufnahme findet eine Entsprechung im Dialog zwischen Fotografie und Betrachter. Wie ein Splitter des Lebens. Definiert durch die Verschlusszeit der Blende, festgehalten im Ausschnitt der Komposition wird dieser Splitter dabei zur Momentaufnahme eines dynamischen, multiperspektivischen Prozesses zwischen Fotograf, Objekt, Betrachter und dem Medium seiner Wiedergabe – der Zeitmaschine.

Heute, jetzt, nun.

Nichts ist so flüchtig wie die Gegenwart. Nur ein Sekundenbruchteil zwischen der alles verschlingenden Vergangenheit und der unwägbaren Zukunft. Die Gegenwart besteht nur in der Aneinanderreihung vager Momente – und in der Fotografie. Denn als einziges Medium ist sie in der Lage, diese imaginäre Idee des Jetzt in einem Bild einzufrieren, das keineswegs so statisch ist, wie es scheint. Denn jedes Foto dokumentiert nicht nur die unmittelbare Gegenwart des Aufnahmezeitpunkts, des Orts und der Situation, sondern verweist gleichermaßen in die Vergangenheit des “Vor-dem-Bild” und die Zukunft des “Nach-dem-Bild”.

 

The best thing about a picture is that it never changes, even when the people in it do.

Andy Warhol

 

 

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